Anti-Atom-Dokumentation Nuking the Climate kostenlos im Netz

Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich in Berlin vor einem Haufen junger Umweltschützer zum Thema Interviewführung referiert habe, tatsächlich ist es aber schon fast zwei Jahre her. Bis auf einige Ausnahmen hatten die Anwesenden damals genauso viel Vorerfahrungen mit aktivem Journalismus gehabt wie ich zuvor mit den Vor- und Nachteilen von Atomenergie – nämlich nicht allzuviel. Und ich muss gestehen, dass ich etwas skeptisch war, als sie mir von ihrem ambitioniertem Konzept berichteten, einen professionellen Dokumentarfilm zu drehen und dafür extra nach Australien zu fliegen. Seinerzeit schien noch die eine oder andere organisatorische, technische und finanzielle Frage ungeklärt – aber unter den überwiegend weiblichen Seminar- und Projektteilnehmern herrschte ein ansteckender Optimismus. So war denn meine größte Sorge, dass sie einen zu einseitigen Film machen würden, der die Hauptzielgruppe aus Otto-Normalverbrauchern ohne größere energiepolitische Ambitionen derart abschrecken könnte, dass die eigentliche Message nicht ankäme. Als ich jedoch im Januar 2009 eine DVD im Briefkasten fand, stellten sich meine Sorgen schnell als unbegründet heraus. Im Gegenteil: Ich bin verdammt stolz auf die Leistung dieses “engagierten Haufens”, den ich im Oktober 2007 in Berlin kennenlernen durfte.
Film “Uranium – is it a country?” kostenlos zum Download oder Online-Ansehen
Nach Monaten voller Filmvorführungen steht nun der Film “Uranium – is it a country? Eine Spurensuche nach der Herkunft von Atomstrom” auch auf der Internetseite des Projekts nukingtheclimate.com bzw. beim Portal engagemedia.org frei zum Download oder Online-Ansehen zur Verfügung. Und ich kann nur herzlich und wärmstens dazu aufrufen, ihn sich anzusehen. Damit haben in mehr als einem Jahr Arbeit etwa 20 junge Deutsche ein Zeichen gesetzt und zwar gleichermaßen gegen die aktuelle globale Energiepolitik und gegen die ihrem Informationsauftrag immer weniger nachkommenden klassischen Medien. Warum habe ich nicht bei ARD oder wenigstens Arte bereits eine Dokumentation zu den Gefahren des Uran-Tagebaus in Australien gesehen? Warum müssen erst diese Jugendlichen von Nuking the Climate/Strahlendes Klima mit einem Mikrobudget einmal um die halbe Welt reisen?
Moderne Kampagnenführung mit begrenzten Mitteln
Der Film ist ein tolles Beispiel für moderne Kampagnenführung mit begrenzten Mitteln. Auf einer mehrsprachigen Internetseite gibt es aktuelle Termine und Neuigkeiten zum Projekt. Zusätzlich haben die Aktiven die Ergebnisse ihrer Recherchen veröffentlicht und zwar sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache. Das sorgt nicht nur für Transparenz, sondern stellt einen Mehrwert dar, da sowohl Kritiker als auch Befürworter der Thematik hier weitere Informationen erhalten können. Wer es kürzer und schneller mag, kann dem Projekt auch über den Twitter-Account twitter.com/uraniumcountry folgen. Aber genug der Begeisterung für den Moment. Zu den inhaltlichen Argumenten und Informationen der Dokumentation folgt demnächst ein gesondertes Posting.

Lieber Jo,
wir müssen zugeben, es ist uns nicht verborgen geblieben, dass du unserem Filmprojekt von Anfang an skeptisch gegenüber standest.
Ob das daran lag, dass wir “überwiegend weibliche” Teilnehmende waren?
Auf jeden Fall lachen wir uns heute noch über deine Bemerkung kaputt, wir sollen bloß nicht vergessen, bei der Kamera den roten Aufnahmeknopf zu drücken. Wie du siehst, wir haben dran gedacht!
Aber schön, dass dir der Film gefällt, vielleicht trägt er ja dazu bei, anderen Projekten in Zukunft aufgeschlossener gegenüber zu stehen…
Hallo Filmteam, aus Deinem Kommentar lässt sich genau jener kritische hinterfragende Geist erkennen, der mir auch schon beim Seminar positiv aufgefallen ist und wohl auch Grundlage für euer Engagement bei diesem Filmprojekt gewesen ist. Mit “überwiegend weiblich” wollte ich übrigens nicht ausdrücken, dass meiner Meinung nach Frauen/Mädchen nichts können, sondern dass es für mich bemerkenswert war, dass die Gruppe bis auf einen Teilnehmer weiblich war. Und den Tipp mit dem Aufnahmeknopf hätte eine aus Männern/Jungen bestehende Gruppe in der damaligen Situation genauso erhalten. Ich habe ja damals auch deutlich gemacht, dass mir selbst dieser Fehler schon unterlaufen war.
Tatsache ist, dass ihr da wirklich ausgezeichnete Arbeit gemacht habt und sich hoffentlich viele Menschen den Film ansehen.