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Archiv für die Kategorie ‘Thema Mikrokredite’

Mit Kiva können Privatpersonen Mikrokredite geben

30. Januar 2010 Alter-Idealist 1 Kommentar

Dem Deutschen Spendenrat zu Folge haben die Deutschen im Jahr 2008 insgesamt  2,16 Milliarden Euro für wohltätige gespendet! Schätzungen gehen von deutlich höheren Summen aus. Aktuell haben z.B. die deutschen Spenden für die Bevölkerung in Haiti bereits eine Höhe von 97 Millionen Euro errreicht. Diese eindrucksvollen Zahlen zeigen – die Deutschen geben gerne (Schätzungen zu Folge zwischen 30 und 60 Euro pro Kopf und Jahr) etwas von ihrem Geld für den guten Zweck. Nur was tun, wenn man gerne helfen möchte, es sich aber nicht leisten kann, anderen Geld zu schenken?

Eine mögliche Lösung bietet das System der amerikanischen Nichtregierungs-Organisation Kiva (deutsche Wikipedia über Kiva/englische Wikipedia über Kiva). Hier kann praktisch jeder schon mit 25$ kleinen Gewerbetreibenden in Zweite- und Dritte-Welt-Ländern dringend benötigte Mikrokredite ermöglichen. Nach Rückzahlung der Kredite kann man sich das Geld wieder auszahlen lassen, hat aber etwas zur nachhaltigen Entwicklung von lokalen Gewerbestrukturen in armen Ländern beigetragen und außer dem Zeitaufwand und entgangenen Bankzinsen keine Kosten dabei gehabt.

Das Prinzip im Detail: Kiva arbeitet mit lokalen kreditgebenden Hilfsorganisationen in z.B. Afrika, Osteuropa, Asien und neuestens auch Amerika selbst zusammen. Wie auf der Grafik unten zu sehen ist, geben diese sogenannten “Field Partner” Mikrokredite (z.B. 300$ für Saatgut oder 1.000$ für einen neuen Kühlschrank für ein kleines Geschäft) an in vergleichsweise kleinem Rahmen geschäftstätige Personen und präsentieren diese Kredite anschließend mit Hintergrundinformationen zum Kreditnehmer und seinem Projekt auf der Kiva-Internetseite. Dort können sich Internetnutzer aus der ganzen Welt kostenlos anmelden und über Paypal Geld auf ihr persönliches Kiva-Konto einzahlen. Anschließend können sie sich sämtliche angebotenen Mikrokredite ansehen und jeweils in Schritten von 25$ daran beteiligen. Wenn sich für einen Mikrokredit genügend Kiva-Nutzer eingetragen haben, überweist die Organisation automatisch das Geld von den Nutzerkonten an den “Field Partner”. Das Risiko für den Kredit (die aktuelle Tilgungsrate liegt bei 98.13%) trägt nun nicht mehr die Organisation vor Ort, sondern je nach Projekt eine Handvoll oder sogar mehrere Dutzend Kiva-Nutzer. Der Kreditnehmer zahlt im Idealfall innerhalb eines vorher festgelegten Zeitrahmens monatlich seinen Kredit ab. Das Geld geht anschließend vom “Field Partner” zurück an Kiva und von dort zurück auf die Konten der Kiva-Nutzer. Diese können mit dem Geld nun einen neuen Kredit geben oder sich die Summe wieder auszahlen lassen.


Grafik: Kiva.org

Man spendet sein Geld also nicht einer großen Organisaton, ohne zu wissen, was damit geschieht, sondern leiht sein Geld für einen Zeitraum zwischen 6 und 24 Monaten an einen real existierenden Menschen, der dazu auch noch transparent und fortlaufend darüber berichtet, was er mit dem Geld macht und ob die angestrebten Ziele erreicht werden konnten. Auf der Unterseite zur Presseberichterstattung auf der Kiva-Homepage ist ein eindrucksvoller Bericht eines CNBC-Reporters, der über Kiva einen Fahrrad-Taxifahrer in Kenia Geld lieh und anschließend selbst dorthin reiste um die Verwendung des Geldes zu überprüfen.

Laut eigenen Angaben hat das 2005 gegründete Kiva bis zum 25. Dezember 2009 über 110 Millionen US-Dollar (72 Millionen Euro) von 631.345 Kiva-Nutzern erhalten und damit 157.207 Kredite finanziert, die im Schnitt eine Höhe von knapp 400 US-Dollar hatten. Hier ein Video, in dem ein Kiva-Freiwilliger das Prinzip nochmal erläutert:

Ich habe mich vor ein paar Tagen selbst angemeldet und mich an einem ersten Kredit beteiligt, der – wenn es klappt – hier unten erscheinen sollte. Und es soll nicht der letzte bleiben. Würde mich freuen, wenn durch diesen Beitrag der eine oder andere von euch ebenfalls auf Kiva aufmerksam wird und es mal ausprobiert.